Historie
Vorgeschichte
Die Idee eines Mathematikmuseums wurde schon mindestens seit Ende 2007 von dem Leipziger Lehrerehepaar Ines und Uwe Petzschler verfolgt. Das Projekt „Regionale Aktivitäten und Vernetzung mit Schulen“ der Deutschen Telekom Stiftung stellte Anfang 2008 Herrn Prof. Dr. W. König vom Mathematischen Institut der Universität Leipzig 3.000 Euro zur Verfügung, die den Startschuss gaben für konkrete Planungen, damals noch unter dem Projekttitel „Phymatikum“. Mithilfe der Sächsischen Bildungsagentur Leipzig wurden Kontakte zu Lehrern hergestellt, die sich für die Idee gewinnen ließen. Es bildete sich ein Initiativkreis unter Führung von Prof. König sowie Frau und Herrn Petzschler. Die Planungen zum Phymatikum wurden verknüpft mit den Vorbereitungen zum Wissenschaftssommer, dem zentralen Ereignis des Jahres der Mathematik 2008.
Der Wissenschaftssommer
In der ersten Juliwoche 2008 fand auf dem Augustusplatz in Leipzig der Wissenschaftssommer statt. In dessen Vorfeld entwickelten und erstellten Schüler und Referendare Exponate, die von vornherein zur Nachnutzung im Phymatikum bestimmt waren. Die Referendare wurden von der Bildungsagentur zur Betreuung der Besucher für die Aktionswoche freigestellt. Viele Gäste, besonders Schüler aus Leipzig und der Umgebung, besuchten die Ausstellung. Ihre Begeisterung, ihr Interesse und Drang zum erforschenden Lernen überzeugte und bestärkte den Initiativkreis, das Projekt dauerhaft fortzuführen und in größerem Rahmen weiterzuentwickeln. Es wurden weitere enthusiastische personelle und institutionelle Unterstützer, u. a. das Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften, gewonnen.
Um dem inspirierenden Charakter des Projektes mehr Gewicht zu geben und um die Beschränkung auf rein physikalische Anwendungen der Mathematik aufzuheben, wurde das Projekt in „INSPIRATA“ umgetauft.
Vorbereitung des Ausstellungsbetriebs
Im Laufe des Sommers 2008 sicherte das Schulmuseum Leipzig, vertreten durch seine Leiterin, Frau Elke Urban, die kostenlose Nutzung einer Ausstellungsfläche von 150 Quadratmetern ab September 2008 zu. Im August und September begannen Frau und Herr Petzschler mit der Einweisung von Lehramtsstudenten in die Besucherbetreuung. Ferner wurden Beschriftungen für Exponate erstellt und durch Malerarbeiten eine einheitliche Farbgebung verwirklicht. Mit den Ausstellungen „Schnittstellen der Mathematik“ des kunstpädagogischen Instituts und „Rechnen lernen in Leipzig seit 1900“ des Schulmuseums wurde die INSPIRATA ergänzt. Es startete eine intensive Öffentlichkeitsarbeit mit Flyern, Zeitschriftenanzeigen, einer Plakataktion in den öffentlichen Verkehrsmitteln und der Einrichtung der Internetpräsenz.
Aufnahme des Betriebs
Anfang September 2008 nahm die INSPIRATA ihren regelmäßigen Betrieb auf.
Die feierliche Einweihung am 16. Oktober machte die INSPIRATA weiteren Kreisen bekannt, zumal bedeutende Persönlichkeiten wie Prof. Dr. Ziegler (Präsident der Deutschen Mathematikervereinigung), Dr. Girardet (Kulturbürgermeister der Stadt Leipzig) sowie Prof. Dr. Schlegel (Prorektor der Universität Leipzig) Grußreden hielten.
Schon ab November wurden die Kapazitäten der INSPIRATA durch angemeldete Schulklassen intensiv genutzt.
Anfang November 2008 gründeten 16 Initiatoren den Verein „INSPIRATA – Zentrum für mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung“.
Im Dezember kamen u.a. Schulklassen, die – laut Auskunft ihrer Lehrer – statt einer Weihnachtsfeier lieber einen Besuch der INSPIRATA wünschten.
Während der Winterferien im Februar 2009 bot die INSPIRATA erweiterte tägliche Öffnungszeiten an und nahm am Ferienpassprogramm der Stadt Leipzig teil. In den 2 Wochen kamen über 1.000 Besucher, darunter ca. 600 Kinder mit ihren Eltern und Großeltern in unsere Ausstellung.
Umzug in größere Räumlichkeiten
Das Quartier über dem Leipziger Schulmuseum war von Anfang an befristet, weshalb der Verein die gesamte Zeit über auf der Suche nach geeigneten, zentral gelegenen und bezahlbaren neuen Räumlichkeiten war.
Mit großzügiger Unterstützung der Universität Leipzig konnte die INSPIRATA im April 2009 ins Brühl-Center (Interim der Universität) umziehen, wo nun auch erweiterte Möglichkeiten für Ausstellung und ergänzende Angebote zur Verfügung stehen.
INSPIRATA im Brühl-Center
Durch den Umzug ins Brühl-Center konnten wir sowohl unsere Exponatenausstellung als auch unsere Angebote neu gestalten und erweitern. Die neuen Räumlichkeiten boten nicht nur mehr Ausstellungsfläche, sondern auch bessere Möglichkeiten für eine sachlich aufgefächerte Darstellung der Exponate sowie für zusätzliche Angebote wie Workshops, Lehrerfortbildungen, Sonderveranstaltungen usw. Außerdem konnten mehr Besucher gleichzeitig bzw. zwei Schulklassen parallel die Ausstellung besuchen und zur selben Zeit Angebote im Workshopraum stattfinden.
Die günstige Lage der INSPIRATA am Brühl im Zentrum von Leipzig, nahe des Hauptbahnhofs, (in der 9. Etage, mit toller Aussicht auf die Innenstadt bis weit über Leipzig) war ideal geeignet für Besuche vieler Schulklassen bzw. Gruppen aus ganz Leipzig und Umgebung und sogar aus Borna, Groitzsch, Droyßig, Delitzsch, Bad Düben, Eilenburg, Brandis, Wurzen, Grimma, Geithain, Gera, Zwickau, Jena, Erfurt, Magdeburg, Bad Sachsa … – um im Rahmen von Unterrichtsausflügen oder Exkursionen den theoretischen Lehrplan anhand von Exponaten und Experimenten zu vermitteln bzw. zu veranschaulichen.
So konnte die INSPIRATA im Herbst 2009 bilanzieren, dass schon über 6.000 Kinder und Jugendliche bzw. mehr als 300 Schulklassen die Ausstellung, Führungen und Workshops (zu mittlerweile 8 verschiedenen Themen) besuchten; außerdem fanden reichlich 30 Lehrer-Fortbildungen in der INSPIRATA statt.
Die INSPIRATA fand Anerkennung als Partner des Ferienpass-Programms der Stadt Leipzig, bei der Berufsorientierung des Programms MINT-Individual mit CiT sowie für Bildungsagentur, Bundesagentur für Arbeit, die Industrie- und Handelskammer zu Leipzig, das BMW-Werk u.a.
Familien bzw. Einzelbesucher nutzten nicht nur während der Schulferien, sondern zunehmend auch dienstags und samstags nachmittags die INSPIRATA als nicht nur unterhaltsames, sondern auch lehrreiches Freizeitangebot einschließlich mathematischer Knobeleien und Spiele.
Von den Vereinsmitgliedern, Betreuern und Unterstützern wurden weit mehr als 10.000 Stunden ehrenamtliches Engagement geleistet, um Exponate bzw. die Ausstellung zu gestalten und zu erhalten, um den Ausstellungsbetrieb und die Gruppentermine zuverlässig koordinieren und realisieren zu können, um neue Workshops zu erarbeiten und Materialien dafür zu gestalten und vieles anderes mehr …
Neues Interim an der Alten Messe
Zu unserem großen Bedauern konnten wir im Brühl-Center nicht bleiben.
Nach monatelangen intensiven Bemühungen um geeignete, möglichst zentral gelegene, finanzierbare Räumlichkeiten konnten wir zumindest ein neues Interims-Quartier finden in einem vorm geplanten Abriss noch genutzten Bürogebäude an der Alten Messe. Dort haben wir noch Umbau- und Renovierungsarbeiten durchführen lassen müssen, bevor zum Jahreswechsel 2009/2010 durch großartiges Engagement von Vereinsmitgliedern und -freunden die neuen Räume für den Ausstellungsbetrieb und unsere anderen Angebote eingerichtet werden konnten.
Aus eigener Initiative entwarfen studentische Betreuer und Vereinsmitglieder eine neue, systematische, farbenfrohe Gestaltung der Ausstellungsräume und setzten diese mit außerordentlichem Einsatz an Zeit und Kraft um, malerten Wände, beschrifteten Exponate neu …
Seit Anfang 2010 gehen wieder erfreulich viele Anmeldungen für Besuche von Schulklassen, Hort- und Kindergartengruppen, für Kindergeburtstagsfeiern und für Workshops bei uns ein, ebenso für Lehrerfortbildungen und -fachzirkel, Fachleitertagungen, Sitzungen, Pädagogische Tage u.a.
Für den 10.03.2010 luden wir Interessenten und Unterstützer, viele Lehrer, aber auch Vertreter der lokalen Politik und Wirtschaft zur offiziellen Wiedereröffnungsfeier. Wir hatten die Veranstaltung seit Jahresbeginn intensiv vorbereitet, ein interessantes und informatives Veranstaltungsprogramm organisiert und eine Begleitschrift herausgegeben. An diesem bedeutenden Nachmittag in der INSPIRATA konnten wir uns über das große Interesse von mehr als 160 Gästen freuen und neue Kraft schöpfen für die weitere umfangreiche organisatorische und inhaltliche Arbeit unseres ehrenamtlichen Vereins …
Unsere Samstags-Öffnungszeit im März, April und Mai nutzten über 60 bzw. 105 und 116 Personen, Familien und Kinder, um in der INSPIRATA ein aufregendes und lehrreiches Freizeitangebot wahrzunehmen!
Im Frühjahr 2010 wurde die INSPIRATA für den Familienfreundlichkeitspreis der Stadt Leipzig vorgeschlagen und von der Jury als einer der Preisträger auserkoren.
In den Sommerferien 2010 besuchten uns (bei tropischer Hitze und Badewetter) fast 800 Kinder (davon über 550 mit Ferienpass) und ca. 300 Erwachsene; ca. 44% der Kinder waren mit (Hort- o.ä.) Gruppen gekommen, die anderen zu den Öffnungszeiten für Familien und Einzelbesucher.
Die INSPIRATA war wieder im Ferienpass-Programm der Stadt Leipzig, und mit dem entsprechenden Ferienpass-Abschnitt war der Eintritt für die Schulkinder kostenlos!
Den nach den Ferien ersten offenen Samstag im August nutzten 93 Erwachsene und 86 Kinder für einen Besuch in unserer Ausstellung. Man freute sich, bei uns selber experimentieren zu können; vielfaches Staunen über verblüffende Effekte war zu vernehmen; einige versanken in Knobeleien. Und oft hörten wir: “Wir kommen wieder!”